Mein erster ganzer Tag in Seinäjoki ist nun auch schon fast
vorbei. Und das auch noch mit einem (zugegeben recht glücklichen) BVB Sieg.
Aber fangen wir vorne an.
Nachdem ich ausgiebig den verpassten Schlaf an meinem
Abreisetag aufgeholt hatte, machte ich mich auf den Weg zum so genannten „housing
office“, der Verwaltung für die Studentenwohnungen. Ich war bereit dort richtig
auf den Tisch zu hauen, um sauberes Bettzeug zu bekommen. Stattdessen gibt mir
diese freche Frau einfach sofort nagelneue Sachen und gibt uns zudem noch den
Tipp wo wir sowas selber finden. Damit habe ich nun auch eine neue Matratze und
einen neuen Schreibtischstuhl. Ein erfolgreicher Start in den Tag also. Die Project X Party stellte sich überigens als dreimonatiger Dauerzustand heraus, da dort ein amerikanisches Football Team gelebt hatte, was für eine Dauerparty nach Finnland gekommen war. Die Jungs sind heute ausgezogen und haben wohl das pure Chaos hinterlassen. Die anderen um die Wohnungen herum waren kurz davor selbst eine Party zu feiern um den Auszug gebührend zu zelebrieren.
Weniger erfolgreich war dann die Inspektion meiner WG
(nennen wir es mal so) außerhalb meines mittlerweile ganz gemütlichen Zimmers.
Eine nette portugiesische Mitbewohnerin, die jedoch nicht so ganz des Englischen
mächtig ist und Mister X. Den beschreibt Ines (die Portugiesin) als ca. 70
Jahre, mit einer Frau hier und eigentlich nie da (ein einziges Mal gesehen in
den letzten 2 Monaten). Ob es nun an ihrem Englisch lag, ein Märchen dieses
Wohnhauses ist oder aber doch der Wahrheit entspricht wird sich in den nächsten
Tagen oder Wochen sicherlich zeigen. Die eigentliche Enttäuschung meiner
Inspektion war jedoch die Küche. Zum einen besteht das Inventar aus einem kleinen
Löffel, zwei Messern und einigen uralten Tellern und zum anderen war sie so
dreckig wie man es sich kaum vorstellen kann. Alles klebt und ist total dreckig.
Ich habe Essenspackungen aus Deutschland, Finnland, Japan und Russland gesehen.
Und das war nur auf einen vorsichtigen ersten Blick. Daraufhin bin ich dann ein
zweites Mal zum „housing office“. Wieder bereit auf den Tisch zu hauen. Die
gute Frau sicherte mir jedoch sofort ohne jegliche Gegenwehr zu, dass morgen im
Laufe des Tages der „cleaning man“ kommen wird. Ich bin gespannt was der dann
mit dem Sauhaufen macht. Eigentlich bleibt nur sprengen…
Neben der leichten Wut im Bauch gesellte sich auch ein
kleines Grummeln hinzu. Ich hatte Hunger.
Mit einigen „internationalen“ Studenten (allesamt aus Deutschland) machte ich
mich auf dem Weg zu einer Pizza-Kette. Mit einem erstaunlichen Ergebnis: Es gibt
in Finnland eine gute, dünne Pizza für 6,90€. Da werde ich wohl öfter hin. Am
Nachmittag saß ich dann zu einem Kaffee in einer bunt gemischten
internationalen Truppe aus Deutschland, Ungarn, Brasilien und den USA zusammen.
Mein eigentliches Highlight dabei war jedoch wie ich bei einigen Bayern das
Englisch besser verstand als das Deutsch. Mit einem Hannoveraner und einem
Brasilianer gesellte ich mich dann vor meinem Laptop, wo ich dann dank einem
kleinen Trick das Borussia Spiel gucken konnte. Nachdem der Brasilianer in der
Halbzeit dank seines Jetlags schlapp machte uns ins Bett ging, konnte auf
Deutsch über Fußball fachsimpel. In der Bude zu hocken passte zudem sehr gut zum
regnerischen Wetter in Seinäjoki.
Danach hatte ich noch ein wenig Zeit meinen Raum ein wenig zu verschönern und neben dem Foto-Vorhang haben eure Karten, Omas und Papas Reisesegen, sowie Luisas Foto einen ganz netten Platz gefunden.
Nun werde ich noch schauen ob ich die richtigen zwei Kreuze vor
meiner Abreise gemacht habe und danach ins Bett gehen, um morgen an meinem
ersten Tag als finnischer Arbeitnehmer fit zu sein.
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